Freitag, 20. Juli 2012

Die Sagen und die Ortstafeln Teil 2



Bei der Recherche zu meinem Sagenbuch stieß ich immer wieder auf verschiedensprachige Ortsangaben. Dass aus „Khring“ mittlerweile Kringa geworden ist, stellt kein besonderes Rätsel dar. Aber was macht man, wenn man über den Isonzo schreibt? Nun, man entscheidet sich für den gebräuchlichsten Namen. Auf Furlanisch nennt man den Fluss Lusinç, ein alter deutscher Name lautet Sontig, und auf Slowenisch nennt man ihn Soča. Ja, und jetzt haben wir den Salat. Was mache ich mit der slowenischen Sage von den drei Flüssen? Die handelt nämlich von der Drava, der Sava und der Soča. Da die Sage aus slowenischen Quellen stammt, kann ich die Flüsse schlecht Drau, Save und Isonzo nennen.
Der gleiche Fluss heißt also je nach Sage entweder Isonzo oder Soča. Das halte ich für kein Problem, zumal dieser Umstand im Buch erklärt wird. Ich finde diese Vielsprachigkeit, diese Vielnamigkeit ganz richtig und auch befreiend. Während man sich in Kärnten darüber in die Haare gerät, ob man Pliberk oder Bleiburg sagt, scheint das in Friaul kein sehr dringliches Problem zu sein. Im Gegenteil, der Bürgermeister von Tarvis Renato Carlanto setzt sich für mehr viersprachige Aufschriften an Ämtern ein, und er betont, jeder Bürger habe das Recht, sich in seiner Muttersprache zu äußern.
Das klingt jedenfalls wesentlich entspannter als das Gefeilsche, das in Kärnten anhebt, wenn es um die Zweisprachigkeit geht. In Kärnten werden selbst Absurditäten noch als Erfolg gefeiert. Teile der Gemeinde St. Kanzian/Škocjan dürfen Slowenisch als Amtssprache verwenden, andere Teile der Gemeinde nicht. Es kommt also nicht darauf an, ob man slowenischer Muttersprache ist, sondern in welchem Teil der Gemeinde man lebt. Das ist kein Erfolg, das ist peinlich.



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