Donnerstag, 12. Juli 2012

eBooks vs. gedruckte Bücher


 















Noch nie hat ein Medium ein anderes vollständig verdrängt. Immer noch werden Buchstaben in Steinblöcke gemeißelt. Das Fernsehen hat dem Kino nicht besonders geschadet, und das eBook wird das gedruckte Buch zwar ergänzen, aber nicht ersetzen.
Man kann solche Binsenweisheiten der Medienwissenschaft selbstverständlich ignorieren und wie Konrad Paul Liessmann den Untergang der Buchkultur bejammern. Dazu besteht aber gar kein Anlass. Noch nie wurden so viele Bücher verkauft wie heute. Nicht einmal das Internet kann dem Buch etwas anhaben. Ironischerweise ist das größte Internetunternehmen ja eine Buchhandlung.
Liessmans Einwände sind allesamt nicht haltbar. Er bemäkelt, dass eBooks wissenschaftlich nicht nutzbar seien, weil man daraus nicht zitieren könne. Nun gibt es mittlerweile Seitenzahlen bei eBooks, und wenn man den Seitenumbruch auch noch kenntlich machen würde, dann wäre das Problem gelöst. Außerdem lese ich Artikel, die von wissenschaftlichen Zeitschriften als PDF zur Verfügung gestellt werden am eBook-Reader. Das ist wesentlich angenehmer als am Computerbildschirm.
Für Studierende und Forschende bietet der eBook-Reader darüber hinaus den Vorteil, dass man eine ganze Bibliothek mit sich herumtragen kann, ohne einen Bandscheibenschaden zu riskieren.
Was die schlampigen Klassikerausgaben anbelangt: Ja, da hat Liessmann recht. Gratis eBooks sind oft von beeindruckend schlechter Qualität, gekürzt oder aus zweifelhaften Vorlagen erstellt. Aber Verlage arbeiten an zuverlässigen, zitierfähigen Ausgaben. Die kosten dann halt etwas.
Selbst wenn diese Probleme gelöst sind, wird das gedruckte Buch nicht verschwinden. Vielleicht werden weniger Wälder für Eintagsliteratur abgeholzt, aber gelesen wird weiterhin – mehr gelesen denn je.
Die neue Technologie bietet der Literatur aber auch neue Chancen. Kurzgeschichten erleben einen Aufschwung, denn diese werden zwar gerne gelesen, in gedruckter Form sind sie aber quasi unverkäuflich. Als eBook sind sie überall und jederzeit verfügbar, zum Beispiel wenn man den Bus versäumt hat oder im Stau steht.
Auch für Autoren eröffnen sich neue Möglichkeiten. Als Vorbild kann der serbische Schriftsteller Milorad Pavić dienen, der den technischen Voraussetzungen seiner Zeit voraus war. Erst auf einem eBook-Reader werden seine Romane dem Leser in ihrer ganzen Komplexität zugänglich. Wie das funktioniert, kann man sich hier am Beispiel der Erzählung Damscene ansehen. 


1 Kommentar:

  1. Bin ganz Deiner Meinung, Wilhelm. Kein neues Medium ersetzt je ein altes. Sinnvolle Ergänzung soll, kann und muss das Ziel sein. Jedesmal. Ich glaube, der Morse-Telegraph war das einzig ausgestorbene Kommunikationsmedium, ersetzt durch Telefon, dann Fax, dann email, etc... Nicht einmal der gute alte Funk konnte vom handy wirklich ersetzt werden.
    Auch Zeitungen werden immer noch gedruckt und gekauft, obwohl jede der darin enthaltenen Informationen auch im Internet steht. Ich glaube, dass die mittlerweile schon bekannten Schwarzmaler, die sich dazu berufen fühlen Ebooks zu verdammen als Feinde der Bücher, nur die Gelegenheit nützen um sich selber wichtig in den Vordergrund zu stellen, oder, auch das wäre möglich, einfach geistig stecken geblieben sind und nicht lernen wollen wie man so etwas modernes neumodisches überhaupt bedient ...

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