Dienstag, 7. August 2012

Auf da Mölltolleitn - Die Percht bestraft einen Frevler

Die folgende Sage soll erklären, warum es im Mölltal einen roten Felsen gibt, der eine Bergkuppe mehrere hundert Meter überragt. Ein Brocken dieses roten Gesteins liegt herunten im Graben. Wir werden gleich sehen, wie er dorthin kam.
In dem Graben unter dem Felsen stand früher eine Mühle. Und den Leuten in der Mühle ging es nicht schlecht. Sie waren zwar nicht reich, aber sie hatten mehr als manch anderer.
Eine einzige Sorge plagte die beiden Alten: das Verhalten ihres Sohnes. In der Kirche ließ er sich so gut wie nie sehen, ihm war das Gasthaus lieber. Und seine Flüche und unflätigen Reden trugen auch nicht gerade dazu bei, dass er sich in der Umgebung beliebt machte.
Solange seine Eltern lebten, hielt er sich aber offensichtlich zurück. Denn nach ihrem Tod trieb er es noch viel wilder.
Von christlichen Bräuchen und dergleichen wollte er nichts wissen. Er weigerte sich auch beharrlich, das Haus und die übrigen Gebäude in der Dreikönigsnacht zu räuchern. Das soll die Unholde und vor allem die Percht fernhalten. Statt mit der Räucherpfanne durch Haus und Hof zu gehen, entfachte er einen Spreuhaufen und verspottete seine Nachbarn.
In der Sage wird solches Verhalten umgehend bestraft.
Ein Blitz zuckte, und in diesem Moment erschien die Percht oben auf dem Felsen. Das Haar stand ihr wirr um den Kopf, und in der Hand hielt sie einen weiteren Blitz, um ihn auf den jungen Mann zu schleudern.
Der war aber nicht nur frech, sondern auch intelligent. Deshalb hechtete er unter einen Haselstrauch. Dort konnte ihm nichts geschehen. Maria hatte mit dem Jesuskind auf ihrer Flucht nach Ägypten unter einem solchen Strauch gerastet. Deshalb hat die Andere Welt hier keine Macht.
Aber so schnell gibt die Percht nicht auf, wenn sie einmal zornig ist. Sie riss einen Brocken von der Felsnadel ab und schleuderte ihn auf die Mühle. Es blieb nur Schutt davon übrig.
Noch einmal sah der junge Mann die Percht im Strahlenkranz der Blitze auf dem Felsen, dann war sie verschwunden.
Die zerstörte Mühle bot keinen Schutz mehr, und außerdem konnte der junge Mann nicht mehr klar denken. Er lief davon. Einfach weg von diesem furchtbaren Ort. Er lief und lief, hinauf auf den Berg, durch Schneetreiben und Sturm, bis er endlich zu einem Gehöft kam.
Die Leute öffneten ihm und ließen ihn ein. Er brachte kein Wort heraus, aber man sah ihm an, dass ihm etwas Schreckliches zugestoßen sein musste.
Doch der junge Mann konnte sich hier nicht lange sicher fühlen. Schon krachte es wieder, die Tür wurde aufgestoßen, und die Percht stand draußen. Herein konnte sie nicht, aber das war auch gar nicht nötig. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen, und schon flog der junge Mann durch die Luft. Überdeutlich war das Brechen seines Genicks zu hören. Dann ließ sie ihn einfach fallen und verschwand.
Der Ofen hatte einen Riss, die Bank, auf der der junge Mann gesessen hatte, war zerbrochen, und dem jungen Mann hatte die Percht das Gesicht in den Nacken gedreht.


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