Mittwoch, 22. August 2012

Ein Lindwurm geht um

Man weiß nicht so genau, woher der Lindwurm kam. Manche sagen, er hauste in einem unterirdischen See im Inneren der Koralpe. Andere wieder sind der Meinung, er käme irgendwo aus dem Süden, und neueste Spekulationen behaupten, der Lindwurm sei aus dem Norden eingewandert und hätte sich in Kärnten vermehrt.
Sieht man sich die Verwüstungen an, so kann man dieser letzten Meinung einiges abgewinnen. Ein einzelner Lindwurm könnte so etwas gar nicht anrichten.
Jedenfalls hat dieser Lindwurm oder einer aus seiner Brut gerade erst wieder zugeschlagen. Ein riesiger Felsen stürzte aus der Mittelwand der Koschuta und letztes Jahr machten sich 30 000 Kubikmeter Gestein am Loibl selbstständig.
Nun, Lindwürmer sind ungeschickt. Wenn sie mit ihren Klauen an Bergwänden streifen oder sich plump auf Bergspitzen setzen, dann rumpelt und rumort es und tonnenweise Steine donnern zu Tal. So hat ein Lindwurm vor vielen, vielen Jahren am Loibl eine Steinlawine losgetreten und Tržič unter sich begraben. Auch auf Kärntner Seite gab es eine Steinlawine, die bis Ferlach reichte. Fast gleichzeitig muss ein zweiter Drache auf dem Dobratsch gelandet sein. Das muss ein besonders großer Drache gewesen sein, denn durch seine Ungeschicklichkeit lösten sich 150 Millionen Kubikmeter Gestein vom Dobratsch. 150 Millionen Kubikmeter, das kann man sich kaum vorstellen. Aber für einen Drachen ist das gar nichts.
In letzter Zeit haben sie sich was Bergstürze anbelangt etwas zurückgehalten. Sie haben sich vermutlich ein anderes Betätigungsfeld gesucht. Jetzt sieht man sie nicht mehr mit ausgebreiteten Schwingen, wie Düsenflieger über den Kärntner Himmel fegen. Ganz selten stehen sie einem so im Licht, dass man glaubt, die Sonne sei vom Himmel gefallen. Aber wie die alten Lindwürmer der germanischen Sage, wie Fafnir, dem von Siegfried der Garaus gemacht wurde, scheinen sie sich in Menschen verwandeln zu können. Das ist schlimm, denn so können sich die Lindwürmer tarnen und müssen sich nicht mehr mit Felsstürzen und Erdbeben zufrieden geben. Jetzt können sie ganz ungeniert noch größere Verwüstungen anrichten. Und so trampeln die Lindwürmer nun durch Kärnten und zerstören nicht nur Bergspitzen und Dörfer, beinahe das ganze Land ist ihnen schon zum Opfer gefallen. Aber Rettung naht. In Klagenfurt haben schon mehrere Menschen beobachtet, wie sich Herkules auf seinem Podest reckt und streckt. Es könnte leicht sein, dass er bald heruntersteigt und sich statt des steinernen Lindwurms ein paar echte Lindwürmer vornimmt.



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