Samstag, 25. August 2012

Krokodile und andere Ungeheuer

In Kärnten geht ein Krokodil um. Es lauert in der Drau bei Sachsenburg Kindern auf und zerbeißt ihre Schuhe. Polizei, Feuerwehr und Reptilienexpertin rücken aus. Tote Hühner werden als Köder ins Wasser gelegt, und der Landeshauptmannstellvertreter, dem das Fischwasser gehört, setzt einen Krisenstab ein.
Alle Zutaten für eine Ernesto Valenti-Geschichte sind schon vorhanden. Wenn aus der Wirklichkeit Literatur werden soll, muss man nur aufpassen, nicht zu sehr an der Realität zu kleben. – Die glaubt einem außerhalb Kärntens nämlich niemand.
Krokodile, die Sommerlöcher füllen, gibt es öfter, als man denkt. Sie teilen sich diese beschwerliche Aufgabe mit dem Ungeheuer von Loch Ness, Ufo-Sicht-
ungen und Hitzerekorden. Das Krokodil im Badeteich ist eine beliebte moderne Legende. Das heißt nicht, dass da nichts dran ist, aber manchmal ist so ein Krokodil auch nur ein vorwitziger Hecht oder eine angriffslustige Ratte.
Ein Klassiker unter den modernen Legenden ist das Krokodil in der Kanalisation von New York. Schon seit mindestens 1935 soll es eine stetig wachsende Population von Krokodilen im New Yorker Untergrund geben. Ausgelöst wurde diese Geschichte durch den Fund eines etwa 2,5 Meter langen Krokodils in einem Einstiegsschacht in East Harlem. Das Krokodil soll von einem Schiff gefallen sein, das gerade aus dem Everglades kam.
Heute wird erzählt, dass es in den Kanälen von New York von Krokodilen nur so wimmelt. Hinter jeder Ecke lauert ein Albinokrokodil. Blind und wütend verspeisen sie vorzugsweise Kanalarbeiter und Ratten. Die Ratten werden in New York auch besonders groß, hört man. So zwischen Dackel und Dobermann, je nachdem, wen man fragt.
Die Krokodile und Ratten im Untergrund von New York leben aber nicht einfach nur so vor sich hin. Sie erfüllen auch eine wichtige gesundheitspolitische Maßnahme. Es heißt nämlich, da unten in der Dunkelheit wächst das beste Marihuana weit und breit. Diese Cannabisart soll aus Samen entstanden sein, die Kiffer aus Panik das Klo hinunterspülten. Das Marihuana vermehrte sich in der Kanalisation und wuchs und wuchs und veränderte sich. In der Dunkelheit verlor es seine Farbe – wie die Krokodile auch – und deshalb nennt man es „New York White“.
Freilich handelt es sich dabei nur um ein Gerücht. Denn noch niemand hat dieses Kraut gesehen, geschweige denn davon probiert. Es gibt einfach zu viele Krokodile in der Kanalisation von New York.


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